Im Bildwerden steckt der Wunsch nach Materialisierung, es liefert den Beweis meiner Existenz. Eben dadurch, dass ich auf den Auslöser drücke, halte ich mich fest. Unser Dasein wird zum tatsächlichen Zeigen (auf das Bild): da sein, da gewesen sein. Das Es-ist-so-gewesen der Fotografie" (R. Barthes) - Der Versuch, gegen die eigene Vergänglichkeit anzukämpfen, endet in einer aneinander gereihten Abfolge kleiner Momente, fotographisch erfasst, von nun an ikonenhafte Erinnerungsträger der Person X.

Die Bedeutung des Fotos oszilliert dabei zwischen seiner möglichen Funktion als Erinnerungsträger und als direktes Mittel der Selbstinszenierung/ Performance eines Subjekts. Die Kamera verkörpert den fremden Blick auf mir, den anderen, der, der mich sieht, durch dessen Augen ich mich sehe. Das In-Pose-Bringen vor der Kamera lenkt und kontrolliert diesen Blick.
"Die Pose kann unbewusst das Resultat eines Bildes sein, das so oft auf den Körper projiziert worden ist, dass das Subjekt beginnt, sich sowohl psychisch wie auch körperlich mit ihm zu identifizieren" (J. Butler)

Das Bild ist identitätsstiftend, da das Subjekt sich in ihm spiegelt. Ich werde zum Bild/Das Bild wird Ich.

Für jeden noch so persönlichen und intimen Moment im Leben haben wir bereits Referenzbilder/ Szenen im Kopf, an denen wir uns orientieren, die wir ständig reproduzieren. Das In-Szene-Setzen eines Moments verschwimmt dabei mit der Konstruktion von Identität.
"Es ist ein ständiges Selbstaktualisieren anhand herrschender Regeln, Machtdiskurse und Ideale, der Prozess einer mehr oder weniger unbewussten Zitatpraxis." (K. Silverman)

Für "Ich werde bei dieser Präsentation weitgehend abwesend sein" wurden von Nitsch und Kabisch Momente mit ihnen unbekannten Menschen inszeniert. Diese übernahmen die Posen der Freunde, Familie, nahe stehenden Menschen zur Inszenierung dieser "im Allgemeinen festhaltenswerten" Momente. Die Fotografie davon bleibt als Beweis des Moments und fügt sich unbemerkt ein ins kollektive Bildgedächtnis. Ihre imitierte Bildsprache erfüllt die Erwartungen des Erinnerungsfotos schlechthin.
Darüber hinaus aber sind die Fotografien auch Dokument ihrer Konstruktion: Die Szene wird inszeniert und nach dem Moment des Festhaltens sofort wieder aufgelöst. Das heißt, das konstituierende Moment in diesen Fotografien ist nicht die augenscheinliche Thesis des Es-ist-so-gewesen, der Abbildung von Realität, sondern vielmehr das Gegenteil. Ein Dokument, das Aussage über ein Erlebnis trifft, das niemals statt gefunden hat.